express 2-3/2026 erschienen!

express 2-3/2026 erschienen!

Inhalt

Schwerpunkt: Geschlecht und Gewerkschaften

Fabian Bennewitz, Marcel Bois, Anna Horstmann und Bernd Hüttner: »Zum Schwerpunktheft der Zeitschrift ›Arbeit – Bewegung – Geschichte‹«   9

Judith Holland: »Gewerkschaftliche Gleichstellungspolitik im Aufwind?« − deutsche und französische Gewerkschaften im Vergleich   10

Anna Horstmann: »Gewerkschaften als vergeschlechtlichte Organisationen« − Aushandlungsprozesse um Geschlecht und Arbeitszeiten nach 1970   13

Andreas Bachmann: »Geschlechtergerechtigkeit in Tarifverträgen?« − Umsetzung der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz   17

Gewerkschaften Inland

»Auf der ›letzten Meile‹: Direktanstellung jetzt!« – fordert Susanne Uhl   1

Ulrich Maaz: »Viel Schatten, wenig Licht – und eine optische Täuschung« – zum Verhandlungsergebnis beim Tarifvertrag der Länder   4

Tomas Nieber: »Formel gesucht« − zur Tarifrunde der Chemie- und Pharmaindustrie   7

Betriebsspiegel

»Angst besiegt Hoffnung« – Heiner Dribbusch zur BR-Wahl bei Tesla   3

Paulina Backs, Mathis Kock, Maximilian Wimmer und Anne Engelhardt: »Angriffe abgewehrt, Aktionsformen ausgebaut« – zum Kampf um den TVStud an den Hochschulen   5

Politik und Debatte

Jörn Boewe: »Organizing: Warum die Machtfrage entscheidet« − Replik auf die WSI-Studie zur Stärkung der Tarifbindung »von unten« 18

Internationales

Sol Klas und Gerardo Juara: »Die Leugnung des Klimawandels und die Krise der Gewerkschaften«   19

»Der Geist der Basisdemokratie und Selbstverwaltung wird weiter Bestand haben« − Gespräch mit Michael Wilk über das drohende Ende der demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien   22

Bewegung mit Recht, Folge 36

René Kluge: »Wer vertritt die Belegschaft?« − Repräsentation von Beschäftigten im BR ist kein Selbstläufer 16

Rezension

»Aus Niederlagen lernen« − Peter Nowak über den 138-tägigen Streik beim Bundesanzeiger   24

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle auf die Vorzüge einer Monatszeitung hingewiesen. Nun müssen wir zugeben: Es hat auch seine Nachteile, nicht tagesaktuell zu erscheinen. Als wir diese Ausgabe planten, hatten wir die Massenproteste im Iran vom Dezember und Januar und deren blutige Niederschlagung mit zehntausenden Toten im Kopf – worüber Said Hossei­ni für diese Ausgabe einen ausführlichen Artikel verfasst hat. Der nach überwiegender Rechtsauffassung völkerrechtswidrige Angriff der USA und Israels auf den Iran, die Tötung des »Obersten Führers« Ali Chamenei und weiterer für das Massaker vom Januar Verantwort­licher sowie die iranischen Bombardements auf militärische Stützpunkte und zivile Infrastruk­tur in der gesamten Region haben nun eine neue Situation geschaffen, deren Entwicklung sich noch nicht abschätzen lässt. Said Hosseinis Analyse erscheint daher nicht wie geplant in die­ser Ausgabe, sondern in Kürze auf unserer Website. Wir hätten es falsch gefunden, sie not­dürftig zu aktualisieren, gerade weil wir von ihrem Wert als Rückblick und Analyse der ge­sellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe überzeugt sind.

Bezüglich des derzeitigen Kriegs beunruhigt uns nicht der mögliche Sturz des Mullah-Re­gimes, den sich viele Verzweifelte im Iran und im Exil erhoffen. Unsere Sorge gilt vielmehr der Frage, was danach kommt. Werden die Menschen im Iran wirklich demokratisch und selbstbestimmt über ihre Zukunft entscheiden können? Wir vermuten: Um die Menschen, um Menschenrechte und Demokratie im Iran, geht es weder dessen derzeit Herrschenden noch denjenigen, die das Land gerade angreifen. Hierfür spricht die Erfahrung der jüngeren Ge­schichte im Nahen und Mittleren Osten – oder auch des US-Angriffs auf Venezuela. Wir wer­den weiter genau hinsehen und mit unseren Mitteln praktische Solidarität unterstützen – und hoffen, dass wir nicht Recht behalten.

Aus den ohnehin bescheidenen Schlagzeilen verdrängt hat der aktuelle Krieg um den Iran die jüngere Entwicklung im Nordosten Syriens. Uns beschäftigt die Bedrohung der dortigen Selbstverwaltungsstrukturen weiter. Deshalb haben wir mit Michael Wilk gesprochen, der die Entwicklung in Rojava über viele Jahre als Arzt unmittelbar verfolgt hat (S. 22 – ihm verdan­ken wir auch die Bilder dieser Ausgabe). Seine Schilderungen werfen ein Licht darauf, wie kompliziert gesellschaftliche Emanzipationsversuche sind – und wie nachrangig Frauen- und Menschenrechte für die US-Regierung, die EU, aber auch Deutschland sind, wenn es gälte, sie zu verteidigen.

Das Geschlechterverhältnis ist auch das eigentliche Schwerpunktthema dieser Ausgabe, die pünktlich zum 8. März, dem Internationalen Frauenkampftag, erscheint. Wir freuen uns, zwei Artikel aus dem kürzlich erschienenen Heft der »Arbeit – Bewegung – Geschichte« zur Ge­schlechtergeschichte der Gewerkschaften in gekürzter Fassung wiederabdrucken zu dürfen (S. 9 ff.). Außerdem fragt Andreas Bachmann nach der Geschlechtergerechtigkeit in Tarifverträ­gen angesichts der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bald in deutsches Recht umgesetzt werden muss und sicherstellen soll, dass für Frauen nicht nur formal Equal Pay gilt (S. 18). Und René Kluge geht der Frage nach, was »Repräsentation« in Betriebsratsgremien (nicht nur) für Frauen bedeuten würde (S. 16).

Verdrängt aus (unserer und der internationalen) Berichterstattung wurde auch die beeindru­ckende Gegenwehr der Menschen in Minneapolis gegen die Verhaftungswellen der US-Ein­wanderungsbehörde ICE und die Erschießungen von Renée Good und Alex Pretti. Durch community organizing, an dem die US-Gewerkschaften ihren Anteil hatten, gelang es, Struk­turen zu entwickeln, um Nachbar:innen vor Razzien zu warnen und die Einsätze von ICE zu dokumentieren. Die Massenproteste nach den tödlichen Schüssen waren nur die Spitze einer breiten Bewegung von unten, die gezeigt hat, dass man sich gegen das Gefühl von Ohnmacht und staatliche Willkür erfolgreich organisieren kann.

Tagesaktualität dürft Ihr also bitte nicht von uns erwarten. Dafür haben wir uns etwas anderes für Euch überlegt. Wir laden Euch herzlich ein zur Online-Diskussion über das dringend not­wendige Direktanstellungsgebot in der Paketbranche, über das Susanne Uhl in dieser Ausgabe schreibt (S. 1). Mit ihr und Stefan Thyroke, dem Leiter der ver.di-Bundesfachgruppe Spedi­tionen, Logistik, Kurier-, Express- und Paketdienste, werden wir am 16. März um 19 Uhr darüber sprechen, warum es ein Direktanstellungsgebot braucht, welche Vorbilder es gibt und wie es gelingen kann, das durchzusetzen. Um teilzunehmen, meldet Euch bitte kurz und formlos per Mail unter express-afp@online.de bei uns an – dann erhaltet Ihr den Zugangsschlüssel. Wir freuen uns auf Euch!

Weil diese Ausgabe eine Doppelausgabe ist, erscheint die nächste erst kurz vor dem 1. Mai. Wir hoffen, Ihr könnt Euch so lange gedulden, und wünschen anregende Lektüre!

Bildnachweis

Denkt man an Rojava, hat man mit Sicherheit bestimmte Bilder im Kopf, die hierzulande gro­ße Verbreitung finden: Sie zeigen die Schrecken des Kriegs oder entschlossen blickende Frau­en mit geschulterter Waffe. Begleitend zu unserem Interview mit Michael Wilk, in dem er über seine Erfahrungen in Nordostsyrien und das Ende der dortigen Selbstverwaltung spricht (S. 22), zeigen wir – nein, eben nicht diese Bilder, sondern solche, die von ihnen verdrängt werden.

Es sind Alltagsszenen, die auf den Fotos zu sehen sind. Sie bieten Einblick in die Normali­tät in Nordostsyrien – zur Zeit vor dem Einmarsch der Truppen der syrischen Zentralregie­rung und dem Zerfall der Selbstverwaltungsstrukturen. Diese vergangene Normalität reichte von zerstörten Trinkwasserpumpstationen am Euphrat bis zu städtischen Bauprojekten und Solaranlagen für eine grüne Stromversorgung, vom Lager al-Hol, in dem IS-Anhänger:innen interniert waren, über Familienszenen bis zu medizinischen Behandlungen – allerdings zeigen wir auch hier lieber den Bau von Prothesen und mobilen Kliniken als schockierende Aufnah­men.  

Wir danken Michael Wilk herzlich für die Bilder!

express 1/2026 erschienen!

express 1/2026 erschienen!

Inhalt

Gewerkschaften Inland

Klaus Lang: »Metallarbeitgeber treiben Widersinn auf die Spitze« – Neuer Gesamtmetall-Präsident ist Geschäftsführer eines OT-Mitglieds   1

Stefan Dietl: »Das gewerkschaftliche Selbstverständnis stärken« – Faschistische Offensive in den Betrieben   7

Ulrich Maaz: »Betriebsratswahlen, Tarifrunden und Jubiläen« – Gewerkschaftspolitischer Ausblick auf 2026   16

Betriebsspiegel

Lucas Rudolph: »Sicherheit in Krisenzeiten – um welchen Preis?« – Löhne, die mit der Inflation steigen   4

Heiner Dribbusch: »Leuchtfeuer, aber kein Flächenbrand« – Warum die Entlastungsbewegung an den Kliniken ins Stocken geriet 6

Marcus Schwarzbach: »Überfordert von Digitalisierung« – Betriebsräte brauchen politisches Selbstverständnis   8

Hermann Bueren: »Kreise und Rollen« – Agile Community gegen Hierarchien und Betriebsräte   9

Politik und Debatte

Redaktion express: »Zum Angriff auf Venezuela«  3

Internationales

»Wir werden nicht nachgeben!« – Hans-Christian Stephan im Interview mit Ian Rivero über den Kampf bei Amazon in Kentucky 12

Heiner Dribbusch: »Schlechte Nachrichten für Keir Starmer« – Großbritanniens größte Gewerkschaft mit neuer Führung   14

Rezensionen

Andreas Bachmann: »Das Grundrecht der Beschäftigten« – Sammelband zur Tarifbürgerschaft   2

Torsten Bewernitz: »Pazifismus im Minenfeld« – Graswurzel-Buch zum Gaza-Krieg   5

Wolfgang Völker: »Stolz und Scham unter Stars and Stripes« – Arlie Russell Hochschild erklärt den Erfolg Trumps   11

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

nach dem Jahreswechsel wünschen wir Euch ein »gutes neues Jahr«, obwohl dieses denkbar schlecht begonnen hat: Russland intensiviert seine Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung in der Ukraine, die Trump-Regierung setzt mit den ICE-Razzien ihre brutale Politik gegen Migrant:innen fort und ermächtigte sich, den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores zu entführen (S. 3). Im Iran sind tausende Menschen vom Mullah-Re­gime getötet worden, die gegen den repressiven Gottesstaat protestieren. (Nicht nur) der irani­schen Opposition gehört unsere Anteilnahme und Solidarität. An vielen Orten auf der Welt ist die humanitäre Lage weiter furchtbar: im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Gaza-Streifen, in Mali, Haiti und Myanmar.

Das relativiert die Sorgen etwas, die wir hierzulande haben, und doch sind diese angebracht: Die Betriebsratswahlen von März bis Mai stehen unter dem Druck der Rechten in den Betrie­ben – wir setzen die Diskussion darüber fort, wie man ihm klug begegnet (S. 7). Und betonen, was nicht oft genug gesagt werden kann: Starke Mitbestimmungsgremien mit betriebspoliti­scher Haltung können einen immensen Unterschied für ihre Kolleg:innen machen (S. 8, 9).

Die Tarifrunden in diesem Jahr dürften anstrengend werden, denn die ökonomischen Progno­sen sehen nicht gerade rosig aus – man sollte sich gefasst machen auf besonders sture Arbeit­geberverbände (S. 16). Für uns ist das Anlass, in mehreren Artikeln dieser Ausgabe daran zu erinnern, warum Tarifverträge gesellschaftlich so bedeutsam sind (S. 1, 2), und uns aktuellen tarifpolitischen Fragen zu widmen (S. 4, 6).

2026 stehen auch noch Landtagswahlen in gleich fünf Bundesländern an. Im März sind Ba­den-Württemberg und Rheinland-Pfalz dran und es ist zu erwarten, dass sie von der Furcht vor Stellenabbau und Betriebsschließungen in der Industrie geprägt sein werden. Zweifelhaft ist, ob sich die SPD, die seit 1991 durchgängig die rheinland-pfälzische Regierung führt, an diesem Platz halten kann, während die Bundespartei mit der Einführung der neuen »Grundsi­cherung« derzeit beweist, dass es doch immer noch ein bisschen verrohter gegen Erwerbslose gehen kann – und dafür inzwischen auch aus den eigenen Reihen kritisiert wird.

Im September wird dann im Osten, genauer: in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Die rund vierzig Prozent, bei denen die AfD in den beiden Flächenlän­dern bei der Sonntagsfrage momentan steht, lassen auch uns weitgehend ratlos zurück – wir empfehlen, sich inspirieren zu lassen von den US-amerikanischen Diskussionen darüber, wie mit der extremen Rechten umzugehen wäre (S. 11, 12). Insgesamt leider keine guten Aussich­ten dafür, dass 2026 besser weitergeht, als es angefangen hat. Wir wünschen Euch, trotz alledem, anregende Lektüre!

Bildnachweis

Die »New-York-Trilogie« umfasst drei Romane von Paul Auster, die als Graphic Novel adap­tiert und von drei verschiedenen Zeichnern illustriert wurden: »Stadt aus Glas« (David Mazzucchelli), »Schlagschatten« (Lorenzo Mattotti) und »Hinter verschlossenen Türen« (Paul Karasik).

Die Bilder, die Ihr in dieser Ausgabe seht, entstammen »Stadt aus Glas«: Ein Schriftsteller schreibt einen Roman über einen Schriftsteller, der die Aufzeichnungen eines Schriftstellers findet, der Detektivgeschichten schreibt, nun aber selbst in die Rolle eines seiner Detektive schlüpft. Während er den Fährten durch New York folgt, verlieren sich die Spuren und die Identitäten verschmelzen.

Wir danken dem Reprodukt-Verlag herzlich für die Überlassung der Bilder und empfehlen Euch wärmstens die »New-York-Trilogie«!

Paul Auster, David Mazzucchelli, Lorenzo Mattotti, Paul Karasik: New-York-Trilogie. Aus dem Englischen von Joachim A. Frank, Handlettering von Dirk Rehm. Reprodukt, Berlin 2025, 400 Seiten, schwarz-weiß, 14,8 × 23 cm, Hardcover, ISBN: 978-3-95640-487-0, 29 Euro.