express 6/2026 erschienen!

express 6/2026 erschienen!

Inhalt

Betriebsspiegel

Tobias Kratz, Lena Becker und Franziska Dickel: »Mama und Papa in der Produktion« – Zur Debatte um Organizing   1

Bernd Gehrke: »Zum Vulkan-Crash gehören die ostdeutschen Werften« – Erinnerung an die Kämpfe ostdeutscher Arbeiter:innen   10

Gerhard Klas: »Zukunft braucht Höfe« – Ausbeutung und Selbstausbeutung in der bäuerlichen Landwirtschaft   13

»Organizing auf dem Lande« – Renate Hürtgen im Gespräch mit Wolf Meyer über die Initiative Grüne Gewerke und die Agrarwende   14

Politik und Debatte

Andreas Bachmann: »Termin gerissen« – EU-Richtlinie zu Equal Pay nicht umgesetzt   2

René Kluge: »Entgeltransparenz zu bürokratisch?« – Über Verzögerungstaktiken bei der Schließung des Gender Pay Gap   3

Klaus Lang: »Strukturreformen Ja – Sparprogramme Nein« – zu den aktuellen »Sozialreformen«   4

Charly Außerhalb: »Florida-Rolf kehrt zurück« – Keine Sozialstaatskürzungen ohne Hetze gegen Sozialschmarotzer   7

Sabrina Apicella: »Demokratie leben!« – Über ein Programm, das zum politischen Schlachtfeld wird   11

Ralf Hoffrogge: »Von der Fabrik ins Wohnzimmer?« – Die »dritte Welle« der Vergesellschaftung   12

Gewerkschaften Inland

express-Gewerkschaftsredaktion: Kabinettsumbildung in der IG Metall 3

Andreas Bachmann: »Eigentor bei den Kämpfen um die Alterssicherung« – Über den DGB-Vorschlag zur Betriebsrente   6

Marc Jäger: »Wir haben heute leider kein Angebot für euch« – Zur Tarifrunde Handel   9

Internationales

Natascha Elena Uhlmann: »Vom eigenen Chef zur Arbeitnehmer:in« – Der Kampf mexikanischer Gig-Arbeiter:innen um soziale Rechte   8

Roland Erne: »Volk entscheidet gegen Nationalismus« – Schweiz stimmt dank Gewerkschaften gegen ausländerfeindliche Initiative   16

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

in der letzten Ausgabe hatten wir großspurig eine Doppelausgabe angekündigt, die wir Euch jetzt doch nicht liefern können, sondern in den August verschoben haben, nein: nicht wegen des Wetters und auch nicht wegen der WM, sondern wegen Großereignissen und (Um-)Brü­chen anderer Art.

Doch apropos Fußball-WM: Wir erinnern uns dunkel an vergangene Weltmeisterschaften, bei denen die hiesigen Show Cages, in Deutschland: Autos, schon Tage vor dem Beginn in Natio­nalfarben bewimpelt und beflaggt wurden. Der Eindruck aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel mag täuschen, aber der Drang zur Wimpelei scheint stark rückgängig. Nicht, dass wir diese vermissen – aber deuten sich hier Risse zwischen dem Nationalismus des wählenden Fußball­volks und dem der regierenden Meinungseliten an? Letzteren behalten wir auch weiterhin im Auge: Sabrina Apicella schildert den rechts-konservativen Angriff auf die Initiative »Demo­kratie leben!« (S. 11), Roland Erne berichtet vom Ausgang eines Volksentscheids in der Schweiz zur Begrenzung der Migration – eine nationale Vision von Nachhaltigkeit, die Dank der Gewerkschafften verhindert werden konnte (S. 16).

Weniger international, eher nationalfarbenbunt sind auch die Zumutungen, die mit dem Bün­del von ›Sozialstaatsreformen‹ auf uns zurollen. Klaus Lang gibt in einem Überblick seine Einschätzung zum Charakter dieser Reformen (S. 4 f.), Andreas Bachmann kommentiert die Vorschläge des DGB zur Rentenreform (S. 6) und Charly Außerhalb blickt zurück nach vorn auf die neue Grundsicherung (S. 7).

Einen Sonderweg versucht die schwarz-rote Bundesregierung mit ihrer Weigerung, die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht umzusetzen, beim Gender Pay Gap scheint die europäische Einheit wieder einmal an deutsche Grenzen zu stoßen – diesen Vorgang kom­mentieren Andreas Bachmann und René Kluge (S. 2 f.).

Darüber hinaus werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick in ländliche Regionen: Gerhard Klas berichtet von den Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft (S. 13), Wolf Meyer stellt im Gespräch mit Renate Hürtgen den Versuch der FAU vor, die Organisierung der Beschäf­tigten dieser Branche voranzubringen (S. 14 f.).

Bernd Gehrke erinnert an die Arbeitskämpfe der Belegschaften in den ostdeutschen Werften (S. 10) und liefert damit eine notwendige Ergänzung zu unserem Titelbeitrag aus der letzten Ausgabe. Und dort schließen wir am Ende mit dem Anfang an: Auf die Titelseite haben es die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Umgang mit »Schlüsselpersonen« im Organizing geschafft – ein Anschluss an unsere Debatte zu dem Thema.

Wir wünschen einen kühlen Kopf!

Bildnachweis

Warum diese Grafic Novel zu den Erinnerungen eines Überlebenden der Foltergefängnisse in Assads Syrien hier und jetzt vorstellen und bewerben? Seit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 sind die Gefängnisse offen und können besichtigt werden. Eine Antwort auf die Frage, wie es zu diesem Regime kommen konnte, wie es sich gehalten hat, gibt das nicht. Mit »Al Fazia – Das Grauen« folgen wir dem jungen Architekturstudenten Akram Al Saud, der vor dem arabischen Frühling 2010 zum ersten Mal und nach dessen Niederschla­gung drei weitere Male verhaftet wurde, bis er 2016 in die Niederlande fliehen konnte. Das wissenschaftlich begleitete Erinnerungsprojekt »Survivor-Centred Visual Narratives«, das sich der Verarbeitung von Menschenrechtsverletzungen durch Massengewalt, Genozid und Krieg mit den Mitteln von Kunst und Erinnerungsarbeit mit Zeitzeug:innen widmet (und auch schon die hervorragende, hier vorgestellte Grafic Novel Emmie Arbel von Barbara Yelin her­vorgebracht hat), führt uns jedoch nicht nur an die Frage der subjektiven Bewältigung von Traumata, sondern auch in die Hintergründe des syrischen Bürgerkriegs und das uneingelöste Versprechen gesellschaftlicher Freiheit ein. Eines der Länder, in das die deutsche Regierung keine Probleme mehr sieht, abzuschieben, rückzuführen, zu »remigrieren«, für das der Famili­ennachzug faktisch ausgesetzt ist, dessen Geflüchtete rechtswidrig mit Bett, Brot, Seife ›ver­sorgt‹ werden etc. Apropos Deutschland: Wir empfehlen S. 65, um zu verstehen, warum Akram Al Saud nicht in Deutschland bleiben wollte… – und danken dem Carlsen Verlag ganz herzlich für die Überlassung der Bilder.

Tobi Dahmen / Akram Al Saud: Al Fazia – Das Grauen, Carlsen Verlag, Hamburg 2026, 128 Seiten, geb., 25 Euro, ISBN 9783551809124