express 7-8/2026 erschienen!

express 7-8/2026 erschienen!

Inhalt

Politik und Debatte

Ulrich Schneider: »Die Produktion von Armut« – Zu den aktuellen Sozialstaatskürzungen   1

Lisette Hörig: Offener Brief an die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi   2

»Wir sollen den Überblick verlieren und denken, dass wir nicht betroffen sind« – Gespräch mit Benedikt Rößner   4

Stefan Sell (Gastbeitrag): »Wieder mehr und länger (sachgrundlos) befristen« – Anmerkungen zum »Programm für Aufschwung und Beschäftigung«   6

Wolfgang Hien: »Arbeit und Macht« – Überlegungen zu Machtverhältnissen am Arbeitsplatz und ihren Folgen   12

Sascha Regier: »It’s the property, stupid.« – Gewerkschaftliche Bildung über Eigentumsverhältnisse tut Not   19

Gewerkschaften Inland

express-Gewerkschaftsredaktion: »Ein geräuschloser Abgang« – Ausscheiden von Urban aus dem IG Metall-Vorstand   3

Justus von Liebig: »Die gut geölte Tarifmaschine« – Kommentar zur Tarifbilanz der IG BCE   8

Erik Funke: »Ohne Streiks geht es nicht« – Arbeitskampfbilanz 2025 9

express-Gewerkschaftsredaktion: »Die IG Metall im Jahr 2026« – Oder: die große gewerkschaftliche Verunsicherung 10

Betriebsspiegel

express-Gewerkschaftsredaktion: »Von Rechtsruck keine Rede«? – Ergebnisse der Betriebsratswahlen 2026   14

Bewegung mit Recht

René Kluge: »Wer schützt die Betriebsratswahlen?« – Und was tun bei Wahlanfechtungen durch Arbeitgeber?   15

Internationales

Alexandra Bradbury: »Mehr als ein Führungswechsel« – US-Briefträger organisieren sich   16

»Ziviler Ungehorsam fühlt sich großartig an« – Gespräch über die Streikbewegung an serbischen Schulen 2025   17

Rezension

Gaston Kirsche: »Vom Traum, unsinkbar zu sein« – Über eine filmische Dokumentation der DDR-Hochseefischerei   20

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

trotz einer stetigen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei der Post ist die klassische Briefzustellung unrentabel geworden. Grund dafür ist die Digitalisierung der Kommunikation, die eine sinkende Menge an Briefen und damit einen Anstieg der Stückkosten zur Folge hat. In der Praxis der Deutschen Post AG, deren Name – dessen sie sich gerade entledigt – noch stark mit dieser Form der Informationsübermittlung verknüpft ist, führt das derzeit dazu, dass der express erst mit erheblicher Verspätung in euren Briefkästen landet. Zustellzeiten von über zwei Wochen sind leider keine Ausnahme. Wir werden unseren Namen deshalb zwar nicht ändern, bitten aber um eure Nachsicht, wenn der express nur verzögert bei euch eintrifft.

Im Zentrum dieser Ausgabe stehen die aktuellen Sparpläne der Bundesregierung und die Or­ganisierung von Protest dagegen. Ulrich Schneider verdeutlicht anhand einiger der geplanten Maßnahmen die einschneidenden Folgen für Personen, die sich ohnehin schon am unteren Ende der Lohnskala bewegen (S. 1), Stefan Sell erinnert in seinem Gastbeitrag zu den gesetz­lichen Regelungen für Kündigung und Befristung daran, dass deren Aufweichungen bis Mitte der 1980er Jahre zurückreichen und mit einer Art Salamitaktik über mehrere Regierungs­wechsel hinweg vollzogen wurden (S. 6).  Benedikt Rößner spricht sich aus einer sozialarbei­terischen Perspektive für eine branchenübergreifende Mobilisierung aus, weil der Kürzungs­kahlschlag gerade nicht nur »die da unten« betrifft (S. 4). Außerdem dokumentieren wir einen Offenen Brief von Lisette Hörig, in dem sie die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi zu anderen Tönen gegenüber der Regierung und deren Sparpaketen auffordert (S. 2).

Einen Überblick über die Arbeitskämpfe des vergangenen Jahres gibt der aktuelle WSI-Re­port, den Erik Funke vorstellt (S. 9). Weitere Beiträge aus unserer Gewerkschaftsredaktion behandeln die Umbruchprozesse, vor denen die IG Metall gerade steht (S. 3 und S. 10) sowie erste Ergebnisse zum Ausgang der Betriebsratswahlen (S. 14).

Ebenso beschäftigten wir uns mit den grausamen Untiefen der Lohnarbeit: Wolfgang Hien stellt eindrücklich dar, welche erheblichen gesundheitlichen Folgen der über die »normalen« Machtverhältnisse der Lohnabhängigkeit hinausgehende alltägliche Machtmissbrauch nach sich zieht (S. 12). Ana Dimitrijević und Katarina Ŝćepanović berichten außerdem über die ba­sisgewerkschaftliche Organisierung von Lehrkräften in Serbien (S. 17), und last but not least trifft der eingangs genannte Druck auf das öffentliche Gut Postdienste unter Trump auch US-Beschäftigte, die sich dagegen wehren (S. 16).

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass dieser Ausgabe ein Spendenaufruf in eigener Sache beiliegt.

Wir wünschen anregende Lektüre!

Zu den Bildern dieser Ausgabe

Die erste Teilung der universellen Menschenrechte ist und bleibt das Nationalitätenprinzip. Welche Konsequenzen dies hat, zeigt sich in dem Federstrich, der aus Migrant:innen Mitbür­ger:innen, aus Ausländern Inländer und aus »Illegalen« Legale macht – je nach historisch kontingenten Grenzkonstruktionen. »Am staatlichen Umgang mit undokumentierten Men­schen stellt sich die Frage: Gelten grundlegende Menschenrechte wirklich für alle?«, so Jonas Seufert, mehrfach ausgezeichneter Journalist und Mitglied des Investigativ-Teams bei Frag­DenStaat, und Lisa Frühbeis, ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Zeichnerin der Graphic No­vel »Schattenleben«, die wir hier vorstellen. In ihr kommen Brienne, Charlotte, Nasir und Dâu zu Wort und erzählen ihre Geschichten. Ergänzt werden die eindringlichen Text-Bild-Colla­gen durch passende redaktionelle Erläuterungen und Daten zu Themen wie Gesundheit, Bil­dung, Abschiebung, Regularisierung, Legalisierung u.a. Zu dem Buch gibt es auch eine Wan­derausstellung, die ausgeliehen werden kann. Wir empfehlen beides sehr – und danken Verlag und Autor:innen herzlich für die Bilder!

Jonas Seufert, Lisa Frühbeis: Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen, Reprodukt, Berlin 2026, 160 Seiten, farbig, 24 Euro, ISBN 978-3-95640-515-0

express 05/2022 erschienen!

express 05/2022 erschienen!

Gesamtausgabe zum Download

Inhaltsverzeichnis

Gewerkschaften Inland

WSI: »Normalisierung« – Arbeitskampfbilanz 2021 2

Fritz Hofmann: »Tarifbrücke für die Chemiebeschäftigten« – Über die IG BCE-Tarifrunde 2022 2

AG Kongressbeobachtung: »Inhaltlich – Unerheblich« – Kommentar zum DGB-Bundeskongress 2022 11

Betriebsspiegel

»Die unterschätzten Wahlen« – Erste Einschätzungen zu den Betriebsratswahlen 2022 – von
Nina Scholz, Stephan Krull, Fritz Hofmann, Tobias Salin und Tim Ackermann 9

Martin Schmalzbauer, Joana Terborg, Ingrid Artus: »Wir sind Klasse, macht auf die Kasse!« – Erfolgreiche Tarifkampagne in der Servicegesellschaft des Klinikums Nürnberg 12

Gaston Kirsche: »Kreative Entlassungen bei der taz« – Anzeigenabteilung der taz in Hamburg und
Bremen soll geschlossen werden 14

Bewegung mit Recht

René Kluge: »Erforderlich! Den express in alle Betriebsratsbüros!«, Folge 20 3

Politik & Debatte

Dierk Hirschel: »Schutzmacht Gewerkschaften« – Über die vermeintliche Lohn-Preis-Spirale 1

Kai Lindemann: »Eine durch und durch patriarchale Herrschaftsform« – zur »Politik der Rackets« 19

Internationales

»Angriff auf die Gewerkschaften« – In Belarus wird Gewerkschaftsmitgliedschaft gefährlich 15

»Freiheit für Marlene und Matej« – Festnahme von Journalist:innen im Irak 15

Aroaldo da Silva: »Politik wird im Betrieb gemacht« – Über die Heiligsprechung der
freien Wirtschaft in Bolsonaros Brasilien 16

Angélica Jiménez: »Stärker werden durch IndustriALL und Organizing« – Über ein deutsch-
brasilianisches Organizing-Projekt 16

Niklas Franzen: »Als Erstes müssen die Fahrer verstehen, dass sie ausgebeutet werden.« –
Antifaschismus und Arbeitskampf in Brasilien 17

Gaston Kirsche: Der zweite Sommer der Anarchie – Filmbesprechung 18

Re-Visited, fast forward

Eberhard Schmidt: »Eine unabhängige und überregionale Gewerkschaftszeitung« −
ein Resümee der Anfangsjahre des express 4

Torsten Bewernitz: »Von der Betriebsintervention zum Organizing« – Überlegungen zur Rolle
des express 2022 6

»Hässliche Glühstrümpfe« – Eine kleine Gratulationsauswahl 8

Rezensionen

Wolfgang Hien: »Diktatur der Anpassung« – zu Hermann Buerens »Bewegt euch schneller!« 20

Kurzes

Antipasti 20

Vermischte 9, 18

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

wir sind zufrieden. Wenn alles gut geht, liegt Euch hier eine rundum gelungene Jubiläumsausgabe vor – finden wir. »Eigenlob stinkt« sagt der Volksmund eigentlich, aber wir haben unsere Gründe: Sowohl die von express-Redakteur Torsten Bewernitz durch­geführte Befragung zum aktuellen Stand des Betriebsaktivismus im Auftrag der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt (S. 6–8) als auch persönliches Feedback zu den letzten Ausgaben legen vor allem ein Bedürfnis von euch, geneigte Leserinnen und Leser, nahe: Kern des express ist der Betriebsspiegel. Und der ist in dieser Ausgabe endlich mal von der Menge wie auch von der Branchenvielfalt her so, wie er sein sollte: Wir haben Kurzberichte aus den Betrieben zu den Betriebsratswahlen gesammelt (S. 9–10), wohl wissend, dass die Betriebsratswahlen noch nicht vorbei sind: Eine Gesamtbeurteilung wird in diesem Sommer noch folgen.

Kleiner Wermutstropfen: Auch wir selber vermissen Aktuelles aus der nordrhein-westfälischen Krankenhausbewegung. Dafür berichten Ingrid Artus, Joana Terborg und Martin Schmalzbauer über die erfolgreiche Kampagne, mit der die Beschäftigten der outgesourcten Servicegesellschaft des Klinikums Nürnberg ihren Anschluss an den TVöD erkämpft haben (S. 12–13). Und was NRW betrifft: Wir bleiben am Ball…

Dass der Betriebsspiegel des express so zen­tral ist, war übrigens nicht immer so, sondern ist eine »Neuerung« seit der Fusion mit der Sozialistischen Betriebskorrespondenz 1972. Der express international hatte zuvor, wie der Name schon sagt, seinen Schwerpunkt in der zweifach gedachten Übersetzung internationaler Debatten. 1962 war das notwendig, 2022 sieht die linke Medienlandschaft doch etwas anders aus. Wie sich der express nach der damaligen Fusion in seinem ersten Jahrzehnt als »Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit« entwickelt hat, kann man in dieser Ausgabe in einem Artikel des Redakteurs der ersten Stunde (seit 1964) Eberhardt Schmidt aus dem Kritischen Gewerkschaftsjahrbuch 1979/80 nach­lesen (S. 4–5) – wir waren erstaunt, wie wenig sich in vielen Dingen seitdem verändert hat.

Zum Beispiel die ewige finanzielle Misere. Deswegen liegt auch der aktuellen Ausgabe mal wieder der schon fast Tradition gewordene Mittjahres-Spendenaufruf bei – wohlbegründet in Zeiten von Inflation (siehe S. 1) und einer Güterknappheit, die u.a. auch das Zeitungspapier betrifft. Aber wir lassen uns nicht entmutigen – schon gar nicht angesichts der zahlreichen Gratulationsschreiben (eine Auswahl auf S. 8), die uns erreicht haben. Stattdessen stoßen wir nun nicht nur wie immer mit der Wahrheit an (Hegel), sondern auch auf 60 Jahre express, und, ach ja, ›natürlich‹ auf die Held:innen des Europa­pokals: schwarz-weiß wie Schnee (oder schee?) … – wie der express auch mit einer ordentlichen Portion rot! Ob mit Bus oder Bahn, scheißegal – Eintracht Frankfurt international. Wohlsein!

Bildnachweise

In der Regel erfolgt die Bebilderung des express zu einem bestimmten Thema. Letztlich ist dies auch in der vorliegenden Ausgabe nicht anders, aber dieses Mal war unser Thema: Welche Ereignisse waren für den express in den vergangenen 60 Jahren besonders relevant? Wo hat er mitgemischt, wo sich über den Blattrand hinausgelehnt? Entsprechend sollten aufmerksame Leser:innen das eine oder andere Bild wiedererkannt haben. Wir haben uns hierfür in die eigenen Archive gestürzt, waren aber auch auf die Hilfe zahlreicher Fotograf:innen, Künstler:innen und anderer Archive angewiesen.

Ungewöhnlicherweise finden sich die detaillierten Bildnachweise in dieser Ausgabe deswegen unter den jeweiligen Bildern, statt hier. Dennoch an dieser Stelle Dank an alle, die schnell, unbürokratisch und entgegenkommend bei der Erstellung dieser Bildstrecke mitgewirkt haben!

Das Titelbild, das auch hier abgebildet ist, zeigt ein Foto von Salih G. vom 1. Mai 1966 auf dem Neumarkt in Köln. Mit herzlichen Dank an das DOMiD e.V.! Bildnachweis: Salih G. / DOMiD-Archiv, Köln