express 1/2026 erschienen!
Inhalt
Gewerkschaften Inland
Klaus Lang: »Metallarbeitgeber treiben Widersinn auf die Spitze« – Neuer Gesamtmetall-Präsident ist Geschäftsführer eines OT-Mitglieds 1
Stefan Dietl: »Das gewerkschaftliche Selbstverständnis stärken« – Faschistische Offensive in den Betrieben 7
Ulrich Maaz: »Betriebsratswahlen, Tarifrunden und Jubiläen« – Gewerkschaftspolitischer Ausblick auf 2026 16
Betriebsspiegel
Heiner Dribbusch: »Leuchtfeuer, aber kein Flächenbrand« – Warum die Entlastungsbewegung an den Kliniken ins Stocken geriet 6
Marcus Schwarzbach: »Überfordert von Digitalisierung« – Betriebsräte brauchen politisches Selbstverständnis 8
Hermann Bueren: »Kreise und Rollen« – Agile Community gegen Hierarchien und Betriebsräte 9
Politik und Debatte
Redaktion express: »Zum Angriff auf Venezuela« 3
Internationales
Heiner Dribbusch: »Schlechte Nachrichten für Keir Starmer« – Großbritanniens größte Gewerkschaft mit neuer Führung 14
Rezensionen
Andreas Bachmann: »Das Grundrecht der Beschäftigten« – Sammelband zur Tarifbürgerschaft 2
Torsten Bewernitz: »Pazifismus im Minenfeld« – Graswurzel-Buch zum Gaza-Krieg 5
Wolfgang Völker: »Stolz und Scham unter Stars and Stripes« – Arlie Russell Hochschild erklärt den Erfolg Trumps 11
Editorial
Geneigte Leserinnen und Leser,
nach dem Jahreswechsel wünschen wir Euch ein »gutes neues Jahr«, obwohl dieses denkbar schlecht begonnen hat: Russland intensiviert seine Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung in der Ukraine, die Trump-Regierung setzt mit den ICE-Razzien ihre brutale Politik gegen Migrant:innen fort und ermächtigte sich, den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores zu entführen (S. 3). Im Iran sind tausende Menschen vom Mullah-Regime getötet worden, die gegen den repressiven Gottesstaat protestieren. (Nicht nur) der iranischen Opposition gehört unsere Anteilnahme und Solidarität. An vielen Orten auf der Welt ist die humanitäre Lage weiter furchtbar: im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Gaza-Streifen, in Mali, Haiti und Myanmar.
Das relativiert die Sorgen etwas, die wir hierzulande haben, und doch sind diese angebracht: Die Betriebsratswahlen von März bis Mai stehen unter dem Druck der Rechten in den Betrieben – wir setzen die Diskussion darüber fort, wie man ihm klug begegnet (S. 7). Und betonen, was nicht oft genug gesagt werden kann: Starke Mitbestimmungsgremien mit betriebspolitischer Haltung können einen immensen Unterschied für ihre Kolleg:innen machen (S. 8, 9).
Die Tarifrunden in diesem Jahr dürften anstrengend werden, denn die ökonomischen Prognosen sehen nicht gerade rosig aus – man sollte sich gefasst machen auf besonders sture Arbeitgeberverbände (S. 16). Für uns ist das Anlass, in mehreren Artikeln dieser Ausgabe daran zu erinnern, warum Tarifverträge gesellschaftlich so bedeutsam sind (S. 1, 2), und uns aktuellen tarifpolitischen Fragen zu widmen (S. 4, 6).
2026 stehen auch noch Landtagswahlen in gleich fünf Bundesländern an. Im März sind Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dran und es ist zu erwarten, dass sie von der Furcht vor Stellenabbau und Betriebsschließungen in der Industrie geprägt sein werden. Zweifelhaft ist, ob sich die SPD, die seit 1991 durchgängig die rheinland-pfälzische Regierung führt, an diesem Platz halten kann, während die Bundespartei mit der Einführung der neuen »Grundsicherung« derzeit beweist, dass es doch immer noch ein bisschen verrohter gegen Erwerbslose gehen kann – und dafür inzwischen auch aus den eigenen Reihen kritisiert wird.
Im September wird dann im Osten, genauer: in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Die rund vierzig Prozent, bei denen die AfD in den beiden Flächenländern bei der Sonntagsfrage momentan steht, lassen auch uns weitgehend ratlos zurück – wir empfehlen, sich inspirieren zu lassen von den US-amerikanischen Diskussionen darüber, wie mit der extremen Rechten umzugehen wäre (S. 11, 12). Insgesamt leider keine guten Aussichten dafür, dass 2026 besser weitergeht, als es angefangen hat. Wir wünschen Euch, trotz alledem, anregende Lektüre!
Bildnachweis
Die »New-York-Trilogie« umfasst drei Romane von Paul Auster, die als Graphic Novel adaptiert und von drei verschiedenen Zeichnern illustriert wurden: »Stadt aus Glas« (David Mazzucchelli), »Schlagschatten« (Lorenzo Mattotti) und »Hinter verschlossenen Türen« (Paul Karasik).
Die Bilder, die Ihr in dieser Ausgabe seht, entstammen »Stadt aus Glas«: Ein Schriftsteller schreibt einen Roman über einen Schriftsteller, der die Aufzeichnungen eines Schriftstellers findet, der Detektivgeschichten schreibt, nun aber selbst in die Rolle eines seiner Detektive schlüpft. Während er den Fährten durch New York folgt, verlieren sich die Spuren und die Identitäten verschmelzen.
Wir danken dem Reprodukt-Verlag herzlich für die Überlassung der Bilder und empfehlen Euch wärmstens die »New-York-Trilogie«!


