express 9/2026 erschienen!

express 9/2026 erschienen!

Inhalt

Gewerkschaften Inland

Marvin Hopp: »Das große Kräftemessen« – Zum bundesweiten IG Metall-Aktionstag in der Automobilindustrie   1

Stephan Krull: »Sozialpartnerschaft in der Krise« – Zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie   3

express-Gewerkschaftsredaktion: »Wenn die Kraft fehlt…« – Zur Einigung im Einzelhandel   8

Mathias Hoose/Tim Ackermann: »Der Kampf der extremen Rechten um die Arbeiter:innenklasse«   9

Betriebsspiegel

»Union Busting bei Aldi-Nord« – Elmar Wigand im Gespräch mit Marc Jäger   4

Frank Steger: »Geschäftsmodell Lohnbetrug« – Ein Film beleuchtet die Schattenseiten des Baubooms   5

Sascha Wellmann: »Aus der Not eine Tugend machen?« – Der Verkauf eigener Unabhängigkeit am Beispiel der Hochschule Darmstadt   6

Politik und Debatte

Blauer Montag: »Der soziale Angriff von oben als Teil eines (neo-)liberal-autoritären Krisenregimes«   12

Revisited

»Gegenwehr ohne Grenzen« – Leserbrief von Wolfgang Schaumberg 2

Nachrufe

Marvin Hopp: »In Erinnerung an Christoph Ellinghaus«   11

Bernd Gehrke: »Ein Schlesier, wie man ihn sich nur wünschen kann« – Norbert Kollenda ist tot   14

Leserbrief

Robert Schlosser: »Ganz ›normaler‹ Machtmissbrauch?« – Leserbrief zu Wolfgang Hien »Arbeit und Macht«   15

Internationales

Maurice Schuhmann: »Die Geburtsstunde des revolutionären Syndikalismus« – 120 Jahre Charte d’Amiens   16

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

man kommt nicht hinterher: In den letzten Zügen der Fertigstellung dieser Ausgabe erreicht uns die Meldung, dass die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine »Reform« des Betriebsverfassungsgesetzes fordert. Wie sich leicht denken lässt, geht es dabei kaum um die Ausweitung der Mitbestimmungsrechte für Arbeiter:innen und Angestell­te. Vielmehr sollen die Befugnisse der Unternehmen ausgeweitet werden, um betriebliche Entscheidungen zu beschleunigen. Insbesondere in »dringenden Fällen« wünschen sie sich eine »einseitige Regelungsbefugnis« für Arbeitgeber, damit diese auch ohne Zustimmung des Betriebsrats entscheiden können. Immerhin hat die IG Metall schon »erbitterten Widerstand« angekündigt.

Die Forderung nach der Einschränkung und Abschaffung von Mitbestimmungsrechten ist ein weiterer Angriff auf die erkämpften Rechte der Arbeiter:innenklasse. Zugleich ist sie Teil des »medialen Trommelfeuers«, dem wir derzeit ausgesetzt sind und von dem die Gruppe Blauer Montag in ihrem einordnenden Überblick zur Entwicklung des autoritären Krisenregimes schreibt (S. 12).

Möglichkeiten der Gegenwehr diskutiert Marvin Hopp in seinem Beitrag zu den geplanten Protesten in der Automobilindustrie (S. 1) sowie Wolfgang Schaumberg in einem zwanzig Jahre alten Leserbrief, der in weiten Teilen nichts an Aktualität verloren hat (S. 2). Stephan Krull gibt dazu passend einen Ausblick auf die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie (S. 3).

Mit dem Artikel von Matthias Hoose und Tim Ackermann blicken wir wieder auf den rechten Rand und die Versuche von Zentrum und AfD, die kollektiven Interessenvertretungen der Be­schäftigten zu unterlaufen (S. 9). An dieser Stelle möchten wir jedoch auch um ein kurzes In­nehalten bitten: Christoph Ellinghaus, erster Bevollmächtigter für die IG Metall  Jena-Saalfeld und Gera, unermüdlicher Verfechter offensiver Gewerkschaftsstrategien und eines selbstbe­wussten Auftretens der Gewerkschaft gegen Rechts, ist am 17. August unerwartet verstorben. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke. Auf der Seite 11 veröffentlichen wir einen Nachruf auf Christoph.

Auf betrieblicher Ebene berichtet Marc Jäger über einen neuen Fall von Union-Busting bei Aldi-Nord (S. 4) sowie Frank Steger, der in seiner Rezension des Dokumentarfilms »Auf’m Bau« die Praxis irregulärer Beschäftigung und Lohnbetrug im Bauwesen nachzeichnet (S. 5). Man muss allerdings nicht glauben, dass irreguläre Beschäftigung, Lohnklau, Verstöße gegen Arbeitszeitregelungen, Arbeitsverdichtung und die Rechtfertigung all dessen im Interesse un­ternehmerischen Denkens und Wohls nur die prekären Kellergeschosse der Produktionsver­hältnisse betreffen: Das gleiche lässt sich mit akademischen Weihen geschmückt auch an Hochschulen haben – und dabei noch das Kunststück vollbringen, »Autonomie« und Bildung als Menschenrecht pro forma mit Ökonomisierung und Privatisierung in Einklang zu bringen – mehr dazu von Sascha Wellmann (S. 6 f.).

Apropos Bildung: Last but not least wünschen wir unserem langjährigen Wegbegleiter und Freund Edgar Weick, expressler der ersten Stunde und schon länger in Sachen Bildung und politisch aktiv als wir alle zusammen, alles Gute zu seinem 90. Geburtstag!

Die Redaktion wünscht anregende Lektüren und einen wunderbar warmen Frühherbst – wir treffen, sehen oder lesen uns am 26. September oder spätestens bei unserer Oktoberausgabe wieder.

Zu den Bildern dieser Ausgabe

Die Bilder dieser Ausgabe sind dem Dokumentarfilm »Auf’m Bau / Pe Șantier« von Bianca Schwarz entnommen. Dieser erzählt von migrantischen Bauarbeitern, die um ihren Lohn ge­prellt oder illegal beschäftigt wurden – und von einem Rechtssystem, das Ausbeutung begüns­tigt und Gegenwehr erschwert. Anhand konkreter Schicksale macht der Film sichtbar, wie verbreitet Lohndiebstahl, Scheinselbstständigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse in der deut­schen Bauindustrie sind. Im Zentrum stehen die Erfahrungen von Cosmin Istina, einem Bau­leiter, der irregulär beschäftigt wurde, und Gheorghe Demyan, einem Asphaltbauer, dem sein Lohn vorenthalten wurde. Ergänzt werden ihre Perspektiven durchEinschätzungen aus der Gewerkschafts- und Beratungsarbeit: Lena Zimmermann, Regionalleiterin der IG BAU Fran­ken, sowie Alexandru Firus vom PECO-Institut und Iulia Lavric von der Beratungsstelle Faire Mobilität Nürnberg ordnen die Fälle ein und zeigen auf, welche strukturellen Veränderungen nötig wären, um migrantische Arbeiter:innen besser zu schützen. Eine ausführliche Rezension des Films von Frank Steger findet Ihr in dieser Ausgabe auf Seite 5.

Wir danken der Medienwerkstatt Franken herzlich für die Bilder!

»Auf’m Bau / Pe Șantier«: Deutschland 2026, 29 Minuten. Autorin: Bianca Schwarz; Kamera: Günther Wittmann, André Batista Maia, Winfried Schuhmann, Bianca Schwarz; Schnitt: Bianca Schwarz.