express 06/2020 erschienen!

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Druckausgabe express 06/2020

Inhaltsverzeichnis

Gewerkschaften Inland

Jonas Berhe: »Raus aus der Latenzphase« – Über institutionellen Rassismus und deutsche Abwehrreflexe             1

René Kluge: »Bewegung mit Recht«, Folge 5 – Möglichkeiten der Mitbestimmung bei Werkvertragsbeschäftigung         3

Wolfgang Storz: »Als die IG Metall das Auto noch nicht liebte« – Die Industriegewerkschaft war schon einmal viel weiter      4

Toni Richter: »Gegen die Wand« – Eine kleine Branchenanalyse der deutschen Autoindustrie       5

Peter Kern: »Die Aktienfonds, die Angestellten, das Virus« – Über Hase und Igel an der Börse      7

Harald Rein: »Verwaltung der Notlagen« – Der lohnarbeitszentrierte Sozialstaat in der Coronakrise         8

Wolfgang Hien: »Corona und Gesundheitsschutz im Betrieb« – Wolfgang Hien stellt existenzielle Fragen       10

Nikolai Huke: »Gerne (auch) nach Feierabend« – Gewerkschaftliches Engagement für Geflüchtete 11

»Mit der Gesellschaft statt gegen sie« – Der express im Gespräch mit der Gruppe ROSA         12

Hermann Bueren: »Das Agile Unternehmen – Arbeiten in Echtzeit«. Kritik eines Management-Leitbilds aus der Perspektive der Beschäftigten (Fortsetzung von Teil 2)           14

Betriebsspiegel

»Größere Zahl, kleineres Volumen« – Die WSI-Arbeitskampfbilanz für 2019    15

Internationales

Interbrigadas: »Das Plastikmeer am Rande Europas« – Hintergründe zur migrantischen Arbeit in den Gewächshäusern von Almería         16

Slave Cubela: »Unser rassistischer Wohlstand« – Gedanken im Anschluss an die Ermordung von George Floyd          17

Rezension

Dietmar Dathe, Renate Hürtgen: »Die IG Metall schreibt ihre 125-jährige Erfolgs-Geschichte« – Wie der Rückblick so der Ausblick         18

Nachruf & Traueranzeige

Edgar Weick, Reiner Steinweg: »Zum Tod von Volkhard Brandes« 20

Kurz gefasst

Joke Frerichs: »Zur Diskussion um das Attribut ›sozialistisch‹« 2

Subversion & Schabernack         2

Editorial           3

Antipasti           13

Bildnachweise

Die Fotos in dieser Ausgabe stammen von der »Silent Demo«, die am 6. Juni 2020 in Mannheim stattfand. Die von Einzelpersonen ohne organisatorische oder parteiliche Hintergründe initiierte Demonstration in Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung und in Gedenken an George Floyd und andere Opfer rassistischer Polizeigewalt zog über 4.000 Menschen an. Zur Verfügung gestellt wurden uns die Bilder vom Mannheimer Fotografen und Designer Alexander Kästel (Infos, Blog und Kontakt unter www.rentadesigner.de), der sie mit Bitte um Spende für antirassistische Projekte kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Die gesamte Bildstrecke findet sich unter www.rentadesigner.de/blacklivesmatter. Wir danken und erneuern aus ­diesem Anlass unsere Bitte um wohlwollende Beachtung der Hanauer »Initiative 19. Februar«.

Editorial

In: express 6/2020

Geneigte Leserinnen und Leser,

das hätten wir auch nicht erwartet, dass wir mal die »alte Tante« SPD vor der IG Metall in Schutz nehmen… Aber der Ärger, der sich durchaus auch in Teilen der IG Metall breit macht – und das auch bei Beschäftigten der Autoindustrie – verdient durchaus eine entsprechende Reflexion, die wir in dieser Ausgabe gleich mit zwei Beiträgen leisten möchten: Wolfgang Storz (S. 4) geht dabei vor allem auf die aktuelle Positionierung ein und erinnert daran, dass die Debatte auch in der IGM schon mal weiter war – dabei treffen wir auf alte Bekannte der plakat-Gruppe, mit der die Redaktion dieses Blattes eng verbunden war. Toni Richter dagegen schaut sich die politische Ökonomie der Automobilbranche im Hier und Jetzt an – kein Zustand, mit dem sich Zukunft machen lässt (S. 5).

Nun möchten wir uns aber ungern vorwerfen lassen, wie die IG Metall mehr über Autos zu reden als über Menschen. Das gut und am rechten Ort verankerte Schweigen zum Thema rassistischer Polizeimorde – nicht nur in den USA – verdient mehr als ein Wort. Wir freuen uns daher über die Beiträge von Jonas Berhe (S. 1) und Slave Cubela (S. 17) und insbesondere über unsere Bildstrecke von Alexander Kästel, Fotograf und Designer. Das Thema ist damit nicht erschöpft: In den sozialen Medien tobt gerade die Schlacht über das beredte Umschweigen der beiden Polizeigewerkschaften – ein Thema, dem wir uns in einer späteren Ausgabe zuwenden werden.

Rassismus jedenfalls, soviel ist klar, betrifft Gewerkschaften in verschiedenster Weise – als materielles Phänomen der Kapitalakkumulation und der Überausbeutung, aber auch als endogenes Problem der Mitgliederstruktur und der Organisationstaktiken, wie in dem Beitrag von Nikolai Huke deutlich wird. Und klar denkt man da aktuell immer insbesondere an die Fleischindustrie. Das »System Tönnies« gehört auf die Schlachtbank. Aber das haben wir ja schon oft und oft gefordert: Werkverträge an den Haken, äh Nagel hängen – ran an die heiligen Grundfesten der heiligen Privatheit: das exklusive Eigentum.

Die Krone der Schöpfung hat auch dieses Mal die Produktion des Heftes geprägt. Eigentlich wäre eine gemeinsame redaktionelle Arbeit vor Ort durchaus möglich gewesen, aber verschiedene Umstände haben uns erneut ins Homeoffice verwiesen. Darum haben wir – agiles Management, das wir seit eh und je haben – mal eben die Sonntagsarbeit eingeführt, um mit unserer Kritik an Agility nah und schnell ›am Kunden‹ – Euch zu sein, u.a. mit dem Beitrag von Hermann Bueren.

Aber: express-RedakteurInnen sind sowieso immer im Dienst. Wenn wir nämlich gerade keine aktuelle Ausgabe produzieren, strengen wir alle unsere kleinen grauen (oder roten) Zellen an, um zu überlegen, wie wir dieses Projekt über das Jahr 2020 hinaus erhalten können. Die guten Nachrichten: Das Spendeneinkommen steigt und eure Zahl, geneigte Leserinnen und Leser, steigt sogar beachtlich – aber: beides reicht noch nicht aus. Wer immer uns unterstützen möchte oder konkrete Ideen hat, melde sich daher gerne! Vor uns liegt durchaus eine Mammutaufgabe, aber sie ist schaffbar.

Uns bleibt, eine erbauliche Lektüre zu ­wünschen.

express 04-05/2020 erschienen!

express 04-05/2020 erschienen!

Druckausgabe express 04-05/2020

Inhaltsverzeichnis

Gewerkschaften Inland

Solidarisch gegen Corona / Fever: »Corona-Partys des Kapitals« – Die Zustände in der Fleischindustrie S. 1

René Kluge: »Bewegung mit Recht« – Gesundheitsschutz in der Corona-Pandemie S. 4

Roman Waldheim: »Die Krise macht’s möglich…« – … und fast niemand sagt was zur Aussetzung
des Arbeitszeitgesetzes S. 5

Hermann Bueren: »Das Agile Unternehmen – Arbeiten in Echtzeit« – Kritik des Leitbilds aus der Perspektive der Beschäftigten S. 6

Nikolai Huke: »Das ›Geiz ist geil-Vergabesystem‹« – Die Problematik privatisierter Sprachkurse und Maßnahmen für Flüchtlinge S. 13

Toni Richter: »Autos kaufen, Autos kaufen, Autos kaufen…« – Über die PR-strategischen Verrenkungen der IG Metall S. 15

Karin Zennig: »Erinnern heißt verändern« – Hanau nach dem Anschlag vom 19. Februar S. 18

»Prekär, migrantisch, solidarisch« – Gespräch mit den Critical Workers Berlin S. 19

Betriebsspiegel

Ülkü Süngün: »Asparagus officinalis coronae« – Eine Künstlerlandverschickung S. 8

»Strawberry Fields forever« – ErntehelferInnen in Bornheim (Bonn) im spontanen Ausstand S. 11

Internationales

Heiko Bolldorf: »Corona und Brot in Kroatien« – Angriffe auf die Situation der Beschäftigten
und die Antworten der Gewerkschaften S. 16

Rezensionen

Slave Cubela: »Migrantische Leidensgenossen« – Viele offene Fragen nach der Lektüre eines enttäuschenden Buches S. 12

Peter Nowak: »Wider den linken Geschichtspessimismus« – die ›Dynamik der Revolte‹ S. 20

Kurzgefasst

Subversion & Schabernack S. 2

Editorial S. 3

Antipasti S. 3

Sozialismus oder was? Zuschriften zur Untertitelfrage S. 17

Bildnachweise

Die Einzelporträts von Saisonarbeitskräften bei der Spargelernte wurden von Ülkü Süngün aufgenommen. Die Entstehung der Bilder wird in ihrem Text auf den Seiten 8 ff. geschildert. Ülkü Süngür bedankt sich für die Kooperation bei Giani Dano, Alexandru Balogh, Alex Balogh, Ioan Dano, Istvan Boros und ihre KollegInnen sowie Klaus und Philipp Bauerle.

Die anderen Aufnahmen sind nicht aus diesem Jahr, aber thematisch ähnlich gelagert; fotografiert wurden sie von Fritz Hofmann. Die Karikatur auf der Rückseite verdanken wir der Zuschrift unserer Leserin Simone Lehnert. Allen dreien danken wir herzlich für die Überlassung der Bilder. Die Bildrechte verbleiben bei den UrheberInnen.

Editorial

Geneigte Leserinnen und Leser,

wer hätte gedacht, dass die Corona-Pandemie dermaßen viel Bewegung mit sich bringt.

Fangen wir an mit zwei Themen, die es bewegt und erntefrisch in unsere gute alte Bleibildwüste geschafft haben: Die Pandemie ›beschert‹ uns einen seltenen Fall von Arbeitskämpfen unter Saisonarbeitskräften, nämlich auf dem Spargelgut Ritter in Bornheim bei Bonn (siehe S. 11) und – endlich! – die Einsicht auch in der Politik, dass Werkverträge offenbar nicht das Wahre sind. Seit Jahrzehnten kritisieren wir dieses fleischgewordene Institut moderner Arbeitsmarktpolitik und kapitaler Abwälzung von Profitabilitätsrisiken auf die Beschäftigten. Doch für einen radikalen Perspektivenwechsel brauchte es in der Tat erst Corona, genauer: besorgte Bürgermeister und Kommunen, denen ein neuerlicher Lockdown durch die steigenden Infektionszahlen in den zu ihrem Einzugsgebiet zählenden Massenunterkünften drohte (s. S. 1). In der Fleischindustrie hat das Werkvertragsunwesen bislang besonders widerwärtige Blüten getrieben (schön nachgezeichnet in Wolfgang Schorlaus Krimi »Der zwölfte Tag«), nun findet es hier vielleicht auch mal sein verdientes Ende. Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen: Was der Fleischindustrie unrecht ist, kann doch für die Regaleinräumer und Autositzpolsterinnen nur billig sein.

Man mag die Begriffe »Lupe« oder »Brennglas« schon gar nicht mehr in den Mund nehmen, aber ob nun die Gemüseernte, das »Schweinesystem« Fleischindustrie oder auch Pflege und Einzelhandel: Es werden alte Probleme offensichtlicher – die Überausbeutung migrantischer Arbeitskraft, die Verwundbarkeit der Beschäftigten in den völlig wahnwitzigen Lieferketten…

Dabei ist der Spargel geeignet, die Spaltung von Redaktionen herbeizuführen. Während die einen zum Falle Bornheim fragen: »Was wird aus dem schönen Spargel?« (obgleich dort aktuell eher Erdbeeren gepflückt wurden…), halten andere das für »fahle, holzige, geschmacksneutrale Wurzeln« (das einzige Mal, dass wir die Jungle World zitieren, versprochen!), von denen das Pippi komisch riecht.

Man mag sich jedoch auch des Eindrucks nicht erwehren, dass das Gerücht, man habe durch die Pandemie mehr Zeit, teilweise stimmt – innerhalb der Online-Sitz-Redaktion lässt sich das mit Sicherheit nicht bestätigen. Doch uns erreichen nicht nur außergewöhnlich viele, sondern auch außergewöhnlich lange Beiträge. Wir sind gewappnet: Erstens haben wir, mit befreundeten Organisationen und Medien, den Blog corona-at-work.de eröffnet und wollen Euch ermuntern, dazu beizutragen. Zweitens werden wir, schon ab dieser Ausgabe, das eine oder andere online dokumentieren – den Anfang macht die Vollversion des Beitrags von Hermann Büren zu agiler Arbeit (S. 6). Um diesbezüglich auf dem Laufenden zu bleiben, empfehlen wir euch noch einmal nachdrücklich die Anmeldung zu unserem Newsletter auf https://express-afp.info.

Bleibt nur zu hoffen, dass Ihr, geneigte Leserinnen und Leser, neben all der gar nicht geringer gewordenen Arbeitskraftvernutzung und im Zuge der regen Betriebsamkeit aktivistischer Netzwerke (über die die Redaktion ebenso uneins ist wie über die Liebe zum Spargel: Haben die KollegInnen von der analyse und kritik Recht damit, dass es vor allem darum geht, das eigene Ohnmachtsgefühl zu kaschieren, oder ist es ein veritables Bewegungshoch?) auch genug Zeit findet, das alles zu lesen. Möge es besser bekommen als der blutige Spargel an holzigem Dry Age-Steak in viralem Texas-Wonderdust-Rub …