Freitag, 18. November
Anreise bis 15.30 Uhr
Beginn: 16 Uhr, Begrüβung und Einführung
16.15 Uhr: Gewerkschaftsfusionen und „Multibranchengewerkschaften“ - Tendenz und strategische Antwort auf die Krise der Gewerkschaften?
- Empirische Erfahrungen mit Gewerkschaftsfusionen: Wie lässt sich die weltweit zu bemerkende Tendenz zu Fusionen erklären? Woraus speist sich das Fusionsinteresse? Welche Erfahrungen lassen sich hinsichtlich Mitgliederentwicklung, Organisationsentwicklung, Stärkung der Kooperation, Verankerung in der Fläche, Durchsetzungsfähigkeit u.ä. feststellen? Welche Probleme lassen sich mit Fusionen lösen, welche bleiben, welche entstehen neu?
Referentin: Dr. Anja Kirsch, Freie Universität Berlin
19 Uhr: 10 Jahre ver.di – Gewerkschaftsleben in der „Matrix“? Hoffnungen, Erwartungen,
Erfahrungen, Prognosen...
- Der Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften zur „Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft“ ver.di war von hohen Erwartungen und Skepsis zugleich geprägt: eine Fusion, die Kooperation und Stärke gerade im Dienstleistungssektor entwickeln, weiβe Flecken in der Tariflandschaft erschlieβen, Synergieeffekte ermöglichen sollte für die einen – gewachsene Strukturen und Identitäten zerschlagen, Bürokratie erhöhen und Personalabbau forcieren würde für andere. Was ist aus dem „kleinen Gewerkschaftsdachverband“ ver.di 2011 geworden? Wie lebt, arbeitet und koordiniert es sich in einer „Matrix-Organisation“ aus 13 Fachbereichen und mehreren Ebenen? Wer fühlt sich vertreten in der „Gewerkschaft der 1000 Berufe“, wer nicht (mehr)? Wo entwickelt sich mit, ohne oder trotz „Matrix“ gewerkschaftliches Leben? Inwiefern kann dieser Fusionsprozess Modell für Gewerkschaftsneuerungen sein, und wo müsste weitergebaut werden auf der „Baustelle ver.di“?
Podiumsgespräch und Diskussion mit Hans Kroha (ver.di Rheinland-Pfalz), Peter Erni (ver.di Rhein-Neckar), Rüdiger Timmermann (Landesleiter ver.di-Nord 2001-2011), Katharina Wesenick (ver.di Niedersachsen), Ivo Garbe (ver.di Stuttgart) und Doris Below (ver.di Freiburg) (beide angefragt)
Samstag, 19. November
9 – 16 Uhr: Fusionen und „Diffusionen“: Zusammenschlüsse, Abspaltungen, Aus- und Neugründungen, Ständeorganisationen. Viele Antworten auf eine Frage? Neue Antworten auf alte Fragen?
Veränderte Branchenstrukturen, Kapitalflüsse, Arbeitsprozesse und Mitgliederentwicklungen, Konkurrenzen innerhalb und zwischen Beschäftigtengruppen, Unternehmen, Branchen und Ländern, aber auch Auseinandersetzungen um gewerkschaftspolitische Strategien und Fragen der innergewerkschaftlichen Willensbildung und Repräsentation sowie Abstimmungen der Beschäftigten „mit den Füβen“ führen zu unterschiedlichsten gewerkschaftspolitischen Antworten und Formen der Erneuerung: Gewerkschaftsfusionen, Aus- und Neugründungen, (wieder) erstarkenden Berufsgewerkschaften und Ständeorganisationen, unabhängigen Basisorganisationen. Organisationspolitisch steht dabei mal die Abgrenzung gegenüber anderen Gewerkschaften, mal die Suche nach neuen Kooperationsformen, mal der Einsatz neuer Methoden wie Organizing oder Campaigning im Vordergrund.
Im Hintergrund geht es immer auch um die Frage, wie sich das Verhältnis von Dienstleistungs- und industriellem Sektor national und international verändert, wie produktive und unproduktive Arbeit neu bestimmt werden und was dies für die Kräfteverhältnisse, Organisationsprozesse und Durchsetzungsmöglichkeiten bedeutet. Welche gewerkschafts- und organisationspolitischen Antworten passen auf welche Fragen? Wohin geht die Reise, und woran lieβe sich anknüpfen? Die Suche nach Ansatzpunkten für Neuerungsprozesse wollen wir anhand verschiedener nationaler und internationaler Erfahrungen vorantreiben:
Erfahrungen mit Fusionen der IGM (Gewerkschaft Holz und Kunststoff, Gewerkschaft Textil und Bekleidung), geplante Zusammenschlüsse mit Chemiegewerkschaften zu einer neuen „Industriegewerkschaft“ auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, Erfahrungen mit Neuerungsprozessen durch Organizingprojekte und Erschlieβung neuer Branchen wie Handwerk, Facility-Management und alternative Energien
Referent: Andrè Kaufmann (IGM Schwäbisch Hall)
Bsp. GDL: Standesorganisation der Stärksten? Oder Berufsethos, Kräftemonopol und politisches Profil als Ansatzpunkt für Durchsetzungsfähigkeit? Neben der fusionierten Eisenbahnverkehrsgewerkschaft EVG versucht die GDL, Beschäftigte im Bahnverkehr gemeinsam zu organisieren
Referent: Frank Schmidt (GDL NRW) (angefragt)
Bsp. Krankenhaus: Beschäftigte im Krankenhaus stehen zunehmend unter Druck: Privatisierung, Personalkürzungen, Arbeitsintensivierung und ausgeprägte Hierarchien zwischen verschiedenen Status- und Beschäftigtengruppen machen „gute Arbeit“ schwer. Und sie haben die Wahl zwischen verschiedensten gewerkschaftlichen Interessenvertretungen: Welche Gewerkschaft vertritt wen und wessen Interessen? Wie umgehen mit Gewerkschaftskonkurrenz im Krankenhaus?
ReferentInnen: Mia Lindemann (ver.di Rhein-Neckar) und KollegInnen aus Betrieben
Bsp. Bildung / Kindertagesstätten: Die Bildungsgewerkschaft GEW und ver.di bemühen sich um den Kita-Bereich. Die Einbeziehung der Kita-Beschäftigten in die Streiks des öffentlichen Dienstes war ein Novum in der letzten Tarifauseinandersetzung, gewerkschaftliche Forderungen der Beschäftigten, Berufsethos und die Interessen der NutzerInnen – der Eltern – nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Was bedeutet der Anspruch „Bildungsgewerkschaft“, warum und mit welchen Perspektiven will die GEW die ErzieherInnen organisieren? Wie kann eine Kooperation mit ver.di aussehen ReferentInnen: Oliver Brüchert (Vorstandsreferent GEW) / Ilse Schaad (GEW Hauptvorstand) (angefragt)
Bsp. SEIU (Service Employees International Union): Gestartet als Hoffnung der Beschäftigten in schwer organisierbaren Bereichen des Dienstleistungssektors wie Handel und Reinigungsgewerbe und ein Vorzeigebeispiel für eine Erneuerung durch Kooperation und neue Organizingkonzepte haben sich aus der SEIU mittlerweile neue Gewerkschaften entwickelt bzw. abgespalten, die ihre Interessen im Dachverband der SEIU nicht mehr aufgehoben sehen. Warum, und wohin geht die Reise Referent: Dr. Peter Birke (angefragt)
16.15 - 18 Uhr: Netzwerkfischen – Gewerkschaften, Staat, soziale Bewegungen und NGOs: Warum, mit wem, wie und wozu zusammenarbeiten?
- Wilde Kämpfe, Unruhen und die Notwendigkeit der Neuerfindung von Gewerkschaft in China: NGOs, unabhängige Betriebsgewerkschaften und der gröβte Gewerkschaftsbund der Welt: zur Rolle von Staatsgewerkschaften und Partei, warum ein verlängerter Arm alleine nichts nützt - was hieβe „von China lernen“ heute?
Referentin: Kirsten Huckenbeck (express, Forum Arbeitswelten China und Deutschland)
- Grenzüberschreitende Gewerkschaftsbildung: Organisierung entlang der Wertschöpfungskette in multinationalen Konzernen wie WalMart, IKEA u.a.: das Exchains-Projekt von ver.di und tie-Bildungswerk e.V.
ReferentInnen: BetriebsrätInnen im Textil- und Einzelhandel bei H&M, IKEA etc. (angefragt)
19 Uhr: Alles muss man selber machen?! NGOs als aktiver Ersatz für gewerkschaftlichen Internationalismus?
- Gewerkschaften auf dem internationalen Parkett: gebraucht? verbraucht? verdammt? überflüssig? In der Konkurrenz zerrieben? Gewerkschaften als aktive Akteure, Bündnispartner oder zahnlose Konferenztiger?
Podiumsgespräch mit Ingeborg Wick (Südwind-Institut), Bodo Zeuner (Politologe, Prof. em. FU Berlin) und Bernhard Franke (ver.di BaWü)
Sonntag, 20. November
9-12 Uhr: Organisierung der Unorganisierbaren
- Gewerkschaftliche Anlaufstellen für MigrantInnen mit und ohne Papiere – Beweggründe, erste Erfahrungen, Folgen für die Gewerkschaften und Ansatzpunkte für gewerkschaftliche Erneuerungsprozesse?
ReferentInnen: Jürgen Bothner (ver.di LBZ Hessen) und Kirsten Huckenbeck (express und Mitglied im Beratungsteam)
- Leiharbeit im Einzelhandel: Erfahrungen, Probleme, Handlungsperspektiven
Referent: Hans Kroha (ver.di Rheinland-Pfalz)
- Rechtliche Rahmenbedingungen der Leiharbeit: Streik, Solidaritätsstreik, betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung
Referent: Wolfgang Döther (RA, Heidelberg)
12-13 Uhr: Fazit, Ausblick
Ende der Tagung mit dem Mittagessen
Informationen & Anmeldung:
Die Tagung wird als Schulungs- und Bildungsveranstaltung für BR und JAVen mit Freistellung nach Paragraph 37, Abs. 7 BetrVG beantragt.
Tagungsort: Naturfreundehaus Elmstein (Pfalz), Esthalerstr. 63 - 67, 67471 Elmstein - Harzofen, Telefon: 06328 / 229, www.naturfreundehaus-elmstein.de
Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der politischen Bildung e.V./express-Redaktion, ver.di Rhein-Neckar, Landesfachbereich Handel ver.di Rheinland-Pfalz, Landesfachbereich Handel ver.di Baden-Württemberg
Ansprechpartner: Anton Kobel (Tel. 06221 – 433 7373; akobel@gmx.de), Kirsten Huckenbeck, AFP e.V./express-Redaktion, Niddastr. 64, 60329 Frankfurt a.M., Tel. (069) 67 99 84, email: express-afp@online.de
Tagungskosten: 150 Euro (incl. Unterkunft und Verpflegung). Mit dem TeilnehmerInnenbeitrag wird eine
Kostendeckung für die Veranstaltung und eine Umverteilung zu Gunsten Einkommensschwacher angestrebt.
Für Erwerbslose und Geringverdienende gibt es Ermäβigungen – bitte setzt Euch mit uns in Verbindung!
Bankverbindung: Wir bitten die Tagungskosten vorab auf folgendes Konto zu überweisen:
AFP e.V., Sparda Bank Hessen eG, BLZ: 500 905 00, Kt.-Nr.: 3950037
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