Tagesseminar

»Gesellschaftskritik und politische Praxis«

Veranstaltung im Gedenken an Heinz Brakemeier

Termin:15. Januar 2011, 10 bis 18 Uhr
Ort:Europäische Akademie der Arbeit, Goethe-Universität Frankfurt a.M.,
Mertonstr. 30, Frankfurt a.M.
Veranstalter:Europäische Akademie der Arbeit, Marx-Gesellschaft e.V.,
Redaktion express/AFP e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen

Am 12. Januar 2011 jährt sich der Todestag von Heinz Brakemeier.

Das Erbe der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule und der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung aufnehmend widmete sich Heinz Brakemeier in seiner langjährigen Tätigkeit als Hochschullehrer am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität der Vermittlung und Weiterentwicklung dieser Tradition. Er stand und steht damit für eine historisch besondere Phase des hochschulpolitischen Aufbruchs, die gesellschaftskritischen Inhalten und einem gesellschaftlicher Emanzipation verpflichteten Denken einen Ort an den Universitäten einräumte und damit Generationen von Studierenden die Möglichkeit einer wissenschaftlich angeleiteten Reflexion und Kritik bot.
Doch nicht nur in dieser Hinsicht und nicht nur an der Hochschule hinterlässt er eine Leerstelle und damit zugleich eine Aufgabe: Als kritischer Intellektueller war er, über das akademische Praxisfeld hinaus, Vermittler, Übersetzer und Brückenbauer zwischen verschiedenen linken »Welten« – zwischen Gewerkschaften und Hochschule, zwischen parteinahen und sozialen Bewegungen, zwischen verschiedenen Strömungen der Linken, aber auch zwischen den Generationen. An dieses vielschichtige Werk und Wirken Heinz Brakemeiers wollen wir mit unserer Veranstaltung anknüpfen und verbinden dies mit einer Einladung zur gemeinsamen Weiterentwicklung emanzipatorischen und kritischen Denkens.

Im Zentrum steht dabei Heinz Brakemeiers Versuch, im unorthodoxen Rückgriff auf Marx und die Tradition der Frankfurter Schule die ökonomische Basis der bürgerlichen Gesellschaft, die kapitalistische Produktionsweise als reale und zugleich verkehrte Welt zu verstehen: eine Welt, die sich in den Akten der Produktion und Reproduktion gegenüber den Individuen verselbständigt; die die Menschen, obwohl sie diese Welt konstituieren und hervorbringen, doch zu Anhängseln und Exekutoren eines Systems von Zwängen macht und ihnen als fremde erscheint. Wie dieser Entfremdungsprozess zu begreifen, zu kritisieren und zu überwinden ist, diesen Fragen galt Heinz Brakemeiers theoretisches und politisches Denken – und ihnen gilt es nachzugehen: Wo kann die Kritik dieser Verhältnisse ansetzen? Wie hängt sie mit dem Begreifen der Entfremdungs- und Verselbständigungsprozesse zusammen? Welche Bedeutung hat der – von Brakemeier in Anlehnung an die Kritische Theorie formulierte – Anspruch der Menschen auf Emanzipation und Versöhnung für die praktische Kritik und Überwindung dieser verkehrten Welt – und für uns?
Dass nur eine solidarische »Assoziation freier Individuen« (Marx) der unversöhnten Welt, dem zunehmend regressive Züge tragenden herrschenden »Unwahren« begegnen könne, bleibt politisches Programm über Brakemeiers Tod hinaus. Dies möchten wir, Weggefährten und Freunde von Heinz Brakemeier, mit der Veranstaltung zur Diskussion stellen und laden dazu herzlich ein. Nach einer Einführung wird der erste Block »Alternative politische Geschichte der Bundesrepublik – Antistalinismus, ›Neue Linke‹ und Neue Soziale Bewegungen« Versuche aufzeigen, die Marxsche Theorie kritisch und undogmatisch weiter zu entwickeln und eine kritische Gesellschaftstheorie aus der Universität in die Gesellschaft hineinzutragen.

Im zweiten Block »Emanzipatorische Kritik und Utopie« sollen ausgehend von Brakemeiers Bildungsanspruch und seinen Vermittlungsbemühungen die Bedingungen für eine eingreifende Praxis kritischer Intellektueller heute reflektiert sowie seine These, dass Kunst konstitutiver Bestandteil jeglicher emanzipatorischer Gesellschaftskritik sein muss, zur Diskussion gestellt werden.

Im abschließenden dritten Block »Auf der Suche nach einem emanzipatorischen Gesamtsubjekt« wird die Frage nach einer »Assoziation freier Individuen« aufgeworfen.

Die Veranstaltung wird eingeleitet von Dr. Jens Becker (Goethe-Universität Frankfurt) und moderiert von Hans Joachim Blank (OstR. i.H., Goethe-Universität Frankfurt).

Programm Moderation und Garant für den Roten Faden: Hans Joachim Blank, OStR. a.D., Goethe-Universität
10.00 – 10.45 UhrEinführung Grußwort: Prof. Dr. Peter Wedde, EAdA Dr. Jens Becker, Goethe-Universität: »Facetten des Politischen bei Heinz Brakemeier«
10.45 – 12.30 UhrAlternative politische Geschichte der Bundesrepublik – Antistalinismus, »Neue Linke« und Neue Soziale Bewegungen Edgar Weick, Frankfurt a.M.: »Das Neue an der neuen Linken« Dr. Nadja Rakowitz: »Produktive LesArten von Marx in der Marx-Gesellschaft« Diskussion
12.30 – 13.15 UhrMittagspause
13.15 – 15.15 UhrEmanzipatorische Kritik und Utopie Michael Hintz, Frankfurt a.M.: »Der Linksintellektuelle als Vermittler/Übersetzer« Thomas Zöller, Doktorand am FB Gesellschaftswissenschaften: »Die Idee des Kunstwerks ist die Utopie. Heinz Brakemeier und die Kunst als Gesellschaftskritik« Diskussion
15.15 – 15.45 UhrKaffeepause
15.45 – 17.15 UhrAuf der Suche nach einem emanzipatorischen Gesamtsubjekt Christoph Lieber, Redakteur, VSA-Verlag: »Auf der Suche nach einem emanzipatorischen Gesamtsubjekt: Staat, Markt, Dritter Sektor und Gewerkschaften in den Überlegungen Heinz Brakemeiers« Diskussion
17.15 – 17.30 UhrPause
17.30 – 18.30 UhrAbschlussdiskussion

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